Nepalreise. Auf der Suche nach Patenkindern in Nepal

Nepalreise. Auf der Suche nach Patenkindern in Nepal

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Die meiste Zeit gibt es keinen Strom und manchmal auch kein Wasser in der Stadt. E-Mails abrufen und telefonieren kann man trotzdem. Im Hotel schlafe ich kaum, sondern bin meist bei Leuten in ihren kleinen Zimmern zu Gast. Da sie das Essen auf dem Fußboden zubereiten, versuche ich mir immer etwas selbst gekauftes mitzunehmen. Auch Trinkwasser in Flaschen, da das Wasser in Kathmandu nur abgekocht und gefiltert verwendet werden kann. Übrigens kostet ein sehr schmackhaftes Frühstück in einer der kleinen Küchen in den Gassen 30 Cent (ein gekochtes Ei, Milchtee und heiße Bohnen mit Zwiebeln). Da gibt es auch den selbstgebrannten Schnaps. Tibetische Momos als schmackhaftes Mittagessen in einer Küche für die Einheimischen sind für 40 Cent zu haben.
In dieser Nacht gab es in Kathmandu eine schweren Sprengstoffanschlag mit 3 Toten und Verletzten.
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Reise in der Region Dolakha am Sonntag, den 26.03.2012

1. Tag. Fahrt mit einem Lokal Buß 6.00 Uhr morgens nach Cherikot in Dolakha. Übernachtet habe ich in Cherikot bei einer Tamangfamilie in Zimmer eines ihrer beiden Jungen auf dem Fußboden. Die Tamang-Familie ist wohl als einmalige Ausnahme christlich. Der Vater betreibt eine winzige Tischlerei. Ein Sohn und eine Tochter studieren, ein Sohn ist Lehrer.

2. Tag. Morgens sind plötzlich einige Stadtprominente mit ihren Motorrädern vor dem Haus. Sie fahren mit mir in den kleinen Ort Dolakha, in dem sich das berühmteste Heiligtum der gleichnamigen Provinz befindet. Wieder zurück, kümmere ich mich selbst um die Suche nach Kindern und kaufe erst einmal viele Schulhefte und Stifte. Dann miete ich einen Jeep für 55 Euro für eine sehr strapazenreiche Fahrt in ein abgelegenes Tamangdorf. Da kommt auch schon das nächste Problem. In den meisten Schulen wird gestreikt. So kann ich diese nicht besuchen. Die Söhne der Tischlerfamilie und die Mutter der Kinder, die ich seit dem vergangenen Jahr unterstütze, helfen mir. Das erste Dorf mit dem Namen Fasku-4 ist schön wie aus einem Bilderbuch. Hier leben Tamang. Nach der Ankunft kommen die ganzen Dorfbewohner und malen mir jeder für sich die Stirn mit roter Farbe an. Frauen, Männer und Kinder, alle hängen mir einen Blumenkranz um den Hals. Dann holen sie eine Trommel und tanzen ihre Volkstänze. später veranstalte ich ein kleines Fest für die vielen Kinder mit Luftballons, Stiften und Schulheften. Die Tamang sind eine mongolide und damit niedere Kaste, die aus Tibet eingewandert ist.

In diesem Dorf werden es zwei Patenkinder werden, deren Fotos und Namen ich aber noch nicht habe. Hier übernachte ich in dem alten Bauernhaus einer sehr bemerkenswerten Newar-Frau. Sie lebt nur für soziale Projekte, wie dem Bau einer Bewässerungsanlage für das Dorf. Dafür ist sie bis nach Indien zum Premierminister von Siam gefahren, um Geld zu erbeten. Die Maoisten haben sie wegen dem Wasserprojekt gekidnappt und verschleppt.

In diesem Bergdorf kann jeder, der möchte, auch eine Unterkunft finden. Inmitten vieler Tiere, Kinder und sehr netten Menschen. Im Hintergrund ist die grandiose Bergkulisse der schneebedeckten Gipfel des Himalaya zu sehen mit dem Doppelgipfel des heiligen Gauri Shankar. Der große Gipfel ist ein Gott, der kleine die Frau seines jüngeren Bruders. Der Legende nach kommt der Gott nicht an seiner Schwägerin vorbei, da es in Nepal wie auch in Indien streng verboten ist, dass ein Mann die Frau seines jüngeren Bruders berührt. Sie dürfen nicht einmal auf der gleichen Bank sitzen.

Hier im Tamangdorf sollte man die Leute mit Fyafulla und nicht mit Namaste begrüßen, worüber sie sich sehr freuen.

3. Tag. Fußmarsch über mehre Stunden in ein andres Dorf mit dem Namen Pawati-9. Alle meine Sachen werden glücklicherweise von Helfern getragen. Es geht vorbei an großen Rododentronbäumen, die in voller roter Blüte stehen. Auch bunt schillernde paradiesische Vögel leben auf den Bäumen. Hier leben auch Tiger, weshalb die Bauern abends ihre Tiere ins Haus holen.

In dieser Region wachsen Bananen, Orangen und auch Mangos neben Bambus. Die Bauern bauen meist Kartoffeln an, die hier wie bei uns das Gemüse gegessen werden.

In Pawati (hier leben zumeist die Chhetri, das ist die zweithöchste Kaste nach den Bramahnen) gibt es wieder ein Kinderfest und Eltern verschiedener Kasten kommen mit Ihren Kindern. Von hier werden es drei Kinder werden, die ausgewählt werden. Einen Jungen und ein Mädchen kenne ich bereits vom vergangenem Jahr. Der Junge hat eine kleine Schwester und sie leben sehr arm vom Ertrag kleinster Stückchen Land und ohne Vater. In diesem Dorf schlafe ich bei der gleichen Familie wie im vergangenem Jahr. Diesmal habe ich allerdings ein Bett für mich allein.
1 Stunde Fußmarsch in eine Schule, in der ich das Schulgeld für das Mädchen Indira bezahle. Für die beiden Jungen kann ich das nicht gleich mit erledigen, da jeder für sich nur nach stundenlangen Fußmärschen erreichbar ist und beide deshalb auch eine Schule in der entgegengesetzten Richtung besuchen werden. Auf Grund der weiten Entfernungen und damit langen Fußmärschen habe ich später nur gute Schulrucksäcke eingekauft, die feste und breite Tragegurte besitzen (nach langem Handeln für 10 Euro). Nach dem Schulbesuch geht die Reise weiter ins Tal zu einer Bußstation. Meine Helfer und ich fahren in ein andres Tamangdorf. Ich sitze aus Platzmangel das erste mal auf dem Bußdach. Dort sind Eisenstangen, an denen man sich festhalten kann. Da das selbst Ziegen schaffen, habe ich es auch probiert und trotz extremster Schieflagen in den engen Serpentinen und steilen Hängen auch geschafft. Auch im Buß sitzend kann man mir dem Kopf bis an das Bußdach geschleudert werden. Das macht alles sehr viel Spaß.

Nach der Ankunft in dem Dorf Namdu-8 kommen die Bewohner mit Musikinstrumenten und sehr lauter Musik und wieder wird meine Stirn mit roter Farbe bestrichen und die vielen Blumenkränze um den Hals werden mit der Zeit immer schwerer. Einige Leute tanzen und singen dazu. In dem Dorf wird mir das 14. jährige Mädchen Sony vorgestellt. Sie ist Waise und hat auch keine Geschwister. Leider ist in der Nähe keine geeignete Schule. Deshalb gehe ich am nächsten Tag mit ihr in Cherikot in eine Schule und bezahle auch gleich für ein ganzes Jahr. Üblicherweise wird das hier monatlich gemacht. Da das Dorf und die Schule weit entfernt sind, geben die Dorfbewohner das Geld für ein Zimmer und für das Essen dazu und sind sehr glücklich darüber. Das Dorf hat für sich eine eigene kleine Bank zur Selbsthilfe gegründet. Jeder kann monatlich für 6 Prozent Zinsen etwas einzahlen. Ein Kredit für Notfälle gibt es dann für 12 Prozent. Das ist vielleicht eine gute Gelegenheit für die Paten von Sony und den anderen Kindern aus Pawati und Fasku, das Schulgeld für die Zukunft zu hinterlegen. Diese Nacht schlafe ich wieder in einem kleinen Bauernhaus, diesmal zu zweit in einem Bett.

Keiner wechselt in Nepal vor den Schlafengehen seine Bekleidung, sondern steigt so wie er ist und ungewaschen ins Bett. Und dabei kann man die Füße mancher Kinder nicht vom Boden unterscheiden, auf dem sie stehen. Die Haut wird wohl erst bei nächsten Regen wieder Bekanntschaft mit Wasser machen. Wegen der teilweise recht zerlumpten Bekleidung mancher Kinder habe ich Nähnadeln und Garn besorgt, dann aber doch nicht den Müttern gegeben. Sie wären sicher sehr beleidigt gewesen.

4. Tag. Fahrt nach Cherikot. Auch Sony Tamang fährt mit, da ich mit Ihr gleich in eine Schule gehe und mit dem dortigen Prinzipal alles notwendige arrangiere.

Schlafe in Cherikot wieder im Haus des Tischlers. Sie laden mich für länger ein, was ich aber leider ablehnen muss.

5 Tag. Fahrt nach Jiri mit einem Buß. Vor dem Ort wird der Buß von Polizisten gestoppt, diese nehmen meine Personalien auf. Jiri wird als die Schweiz von Nepal bezeichnet. Vielleicht wegen der großen Rinderfarm. Hier ist ein großes staatliches Ausbildungszentrum für 3 verschiedenen Bildungsrichtungen. Es gibt viele Hotels, da Jiri für Touristen ein wichtiger Ausgangspunkt für die Weiterreise per Buß, per Rad oder zu Fuß in die Bergwelt ist.

Die wilde Rückfahrt nach Kathmandu dauert fast einen ganzen Tag. Ich habe mir am Vorabend beim obligatorischen Dal Bhat den Magen verdorben und so diesen Tag und auch die nächsten nichts essen können. Dank meiner Reiseapotheke kann ich die Fahrt überhaupt antreten. In Kathmandu kaufe ich mir dann ein Mittel gegen die Dehydrierung. Bei der Durchfahrt in Cherikot werden mir meine Gepäckstücke in den Buß gereicht, die ich im Haus meiner Gastgeber gelassen hatte. Meine schmutzigen Sachen hat die Hausfrau gewaschen, was für Frauen Schwerstarbeit bedeutet. Zum Glück hatte ich ihr am Vortag ein Tuch als Geschenk gekauft.

In dieser Nacht gibt es in Kathmandu ein Großfeuer mit 6 Toten. Ein ganzer Marktplatz steht in Flammen.

Am Mittwoch, den 7.3. startete in Nepal das berühmte Color-Festival. Farbiges Wasser wird in Strömen über die Menschen gegossen und man bedankt sich dafür noch mit einem fröhlichem Happy Holi. Auf einem Platz wird sogar mit einem Feuerwehrschlauch auf die versammelte Menge gespritzt. Von Dächern und aus den Festern fliegen mit Wasser gefüllte Plastiktüten auf die Passanten und mit Unmengen von Farbpulver werden die Menschen bestrichen. Beliebtes Ziel sind natürlich hellhäutige Touristen. Am nächsten Tag ist in der Zeitung ein Foto zu sehen, über das alle sprechen. Ein Nepalese küsst einer Touristin die Wange. Ein Kuss in der Öffentlichkeit ist in Nepal nicht selbstverständlich. Schon gar nicht unter Unverheirateten.

An diesem Tag lasse ich die vereinbarten Treffen mit Stadtpolitikern platzen und auch das Treffen mit der frischgewählten Miss Mongolia lasse ich aus. Sie ist, wie ich vergangenem Jahr schon erlebt habe sowieso nicht die schönste, sondern eine der reichsten Töchter eines Tamang. Ich ziehe lieber mit meinen beiden Patenkindern durch die Straßen und wir haben viel Spaß. Am 3.3. kommt mich Kira Lama besuchen, ein mir bekannter berühmter Thangkasmaler. Es lädt mich am nächsten Tag zum Frühstück ein und erzählt mir sehr bemerkenswerte Geschichten über Wiedergeborene und über Heiligtümer in Dolakha. Er hat für mich ein Treffen mit seiner Heiligkeit, Sakya Trizin Rinpoche, im großen weisen Kloster auf einem Berg nahe Kathmandu arrangiert. Leider kommt dieser aber erst verspätet am 15.03. in Kathmandu an, so das ich den hochstehenden Buddhisten leider nicht treffen kann. Dafür besuche ich einen anderen, sehr heiligen Mann mit dem Namen Chhepu Lama. Er kann in die Zukunft blicken und natürlich nutze ich diese Möglichkeit für eine ganz besondere Frage. Die Antwort fällt sehr positiv aus, ich soll mich nur an die Tara halten. Auf meine Frage, welche der beiden denn wichtig sei, meinte er, dass dies egal ist. Glücklicherweise habe ich ein Statue der grünen Tara in meine Wohnung stehen und so kann wohl nichts schief gehen. Der vom Lama angebotene Buttertee und das tibetische Gebäck lasse ich mir schmecken. Viele Menschen besuchen täglich den sehr betagten heiligen Mann für Weissagungen und es gibt sehr große Industrielle, die nur nach einer Besprechung mit ihm eine Entscheidung treffen.

Nicht versäumen sollte man im Cosmopolitan ein Büffelsteak oder im Kumaris eine französische Zwiebelsuppe. Auch sind die Spezialrestaurants für Tandori einen Besuch wert.

An meinem letzten Tag unternehme ich gemeinsam mit einem Nepalesen einen Motorradausflug in Richtung Norden. Es gibt eine fantastische Weitsicht und so liegen die schneebedeckten Gipfel der Ganesh-Berge im Langtang Nationalpark wie zum Greifen nah. Dahinter liegt bereits China.

Und wie durch ein Wunder regnet es am Tag meiner Abreise. So trifft das Wetter meine Stimmung, denn nur schwer kann ich mich wieder von diesem Land und seinen Menschen trennen.

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